2001

Treffenzurück



 

(Mainpresse 10/2001)

(Mainpresse 10/2001)

 

 

Verschiedene Temperamente und Neigungen

Lesung des Verbandes Fränkischer Schriftsteller im Würzburger Falkenhaus

 

WÜRZBURG  Ein breites Spektrum Fränkischer Autoren konnte Verbandsvorsitzender Otto Schmitt‑Rosenberger beim Eröffnungsabend der Jahresversammlung des Verbands Fränkischer Schriftsteller im Max‑Dauthendey‑Saal im Würzburger Falkenhaus präsentieren. Vier zum Teil bestens etablierte Autoren, deren Werke sich auch in der neuesten Anthologie "Ausschauen" finden, demonstrierten nacheinander verschiedenste Temperamente und stilistische Register.

 

Einen behutsamen Einstieg bot die unaufgeregte und feinsinnige Lyrik von Doris Egert‑Bauer. Ihre Gedichte drehen sich um das „Du und ich", beschreiben „Annäherungsversuche" und ergründen das eigene Innere; sie rufen zum Genießen des Augenblicks auf, blicken aber auch ängstlich auf eine „fadenscheinige" Hoffnung.

 

Auch Peter Rosners "Herr und Frau Panama" lies starkes persönliches Engagement spürbar werden: Ein schwarz gekleideter, kahl rasierter Geigenspieler steht einer Gruppe Skinheads gegenüber und erinnert sich: Die Begegnung mit einem argentinischen Geigenspieler in Panama vor 50 Jahren, die Rückkehr als Herr Panama und das Zusammentreffen mit einer Frau, deren Seele er mit seiner Musik "die Farben zurückgibt" und die sich fortan Frau Panama nennt. Doch die Skinheads schlagen Herrn Panama nieder und aus der lebenslustigen Frau Panama kann nur eine Frau Alaska werden.

 

Einen lebhaften Kontrast zu seinen nachdenklichen Vor‑Lesern bot der Freistilpoet und Performer Karl-Heinz Schreiber. Nach einem vehement und stimmgewaltig vorgetragenen "Am Anfang war das Ohr" demonstrierte Schreiber eine unbändige Lust an Sprache und Spiel, brach atemlos sein rhythmisches "Ich lebe nur live" hervor und erzielte durch rasche Neukombination von Silben und Wörtern ungeahnte Effekte. In einem experimentellen Prosatext reflektierte Schreiber gar über einen „Postboten, der mit einem Hund einen Postboten zeugen will" und führte die verschiedenen Aspekte des Vorhabens ad absurdum.

 

Einen liebevoll‑skurrilen Abschluss fand die Lesung mit Christa Schmitts Kurzgeschichte "Kafka und der Mäusekater", die durch raffiniertes Einschmelzen von Briefzitaten Kafkas Verhältnis zu Katzen und Mäusen beleuchtete. Dieser musste nämlich nach einem zwanghaften Zusammenleben mit einer Katze seine tiefe Abneigung gegenüber den  Mäusefängern etwas revidieren.     

ANJA LEGGE    (Main-Post 22. Oktober 2001)