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G. HARRO SCHAEFF-SCHEEFEN (12. 2. 1903 - 20. 5. 1984) (Autobiographie)
Geboren am 12. Februar 1903 in der ehemaligen Markgrafenstadt Ansbach, dem jetzigen Sitz der Regierung von Mittelfranken, als Sohn einer mittelständischen Familie, aufgewachsen in der sogenannten „Würzburger Vorstadt", heute Würzburger Straße genannt, inmitten dortiger Jugend, am Ufer des Rezatflusses. Die Erziehungsmaximen in Elternhaus und Schule waren damals andere als heute. Daran mag es auch gelegen haben, daß ich bald zur damaligen Jugendbewegung des Wandervogels kam, der mich dann auch in meinem späteren Leben stark beeinflußte und in meiner Lebenshaltung ausrichtete. Schon damals in Ansbach habe ich nach meiner Erinnerung einiges für die dortige Tageszeitung geschrieben und Erlebnisse schriftlich niederzulegen versucht. Angeregt wurde ich dazu durch viele Wanderungen in dieser engeren Heimat. Väterlicherseits stamme ich aus einem uralten Hammerschmieds-Geschlecht in der Nähe von Ansbach und mütterlicherseits von Bauern ab. Das alles war für meine späteren Lebensanschauungen maßgebend.
Mit zwanzig Jahren wollte ich „die Welt und andere Menschen" kennenlernen und eine Erweiterung meines Gesichtskreises anstreben. Mein zufälliges Ziel war die Weinstadt Kitzingen am Main. Es war für mich eine Neuentdeckung einer anderen Welt: Der große Fluß, die Weinberge und der Steigerwald und schließlich die lebensfrohe Natur der Menschen dort, wie sie eben überall da zu finden ist, wo Wein wächst und getrunken wird, Menschen, bei denen ich mich wohl fühlte in der Gemeinschaft und wo ich manchen Freund gewann. Ich schloß mich auch dort der Jugendbewegung an, entdeckte das Land und die Menschen auf vielen Wanderungen bis hinein in den Steigerwald und mir eröffnete sich auch die mainfränkische Kunst in ihrer Eigenart. Alle diese Erlebnisse drängten geradezu zur schriftlichen Gestaltung und Ausdeutung. So entstanden nicht nur heimatgeschichtliche Aufsätze, sondern auch Kurzgeschichten und vor allem eine Reihe in einer Heimatbeilage 'Wandern in Franken'. Hier liegen die Wurzeln meiner späteren literarischen Tätigkeit, die vor allem dem ganzen Franken gehörte. Hier in Kitzingen hatte ich für Jahre eine gute Heimat gefunden. Mein nächstes Ziel war Würzburg, die Hauptstadt Weinfrankens, um dort zu studieren. Diese faszinierende Stadt mit ihrer hohen Kultur und den Kunstschätzen aus allen Jahrhunderten zog mich bald ganz in ihren Bann. Ein Freundeskreis gab menschlich und geistig Grundlagen für eine weitere Entwicklung. Sie wurde zum entscheidenden Erlebnis überhaupt. Ich nannte sie in meinem Buch 'Geliebte in Franken': „Die beseelte Stadt". Ihre Zerstörung im Frühjahr 1945 traf mich tief und erschüttert ging ich später durch die Trümmer. In einem Nekrolog schrieb ich mir die Trauer von der Seele. In meinem Buch 'Geliebte in Franken' ist der Nachruf nach der Lobpreisung dieser Stadt zu lesen.
Vor allem war es wieder der Drang, die Geschichte dieser uralten Bischofsstadt kennenzulernen, dieser führte dann zu den Quellen der Forschung, in das Staatsarchiv Würzburg, woraus viele Ergebnisse meiner Arbeit auf Teilgebieten entstanden und veröffentlicht wurden. Mit Adalbert Jakob zusammen gründete ich dann die 'Max-Dauthendey-Gesellschaft', die später „auf höhere Weisung" eingeschläfert werden mußte, aber nach dem letzten Kriege sofort wieder entstand. Eine Tagung fränkischer Schriftsteller in Würzburg regte mich auch an, die Kollegen in und aus Franken im 'Fränkischen Autorenkreis' zusammenzufassen. Er wurde später zum 'Verband Fränkischer Schriftsteller' erweitert. In der Würzburger Zeit entstanden viele Arbeiten heimatgeschichtlicher und volkskundlicher Art, daneben zahlreiche Kurzgeschichten, die noch nicht in einem Buch zusammengefaßt sind. In Würzburg begann auch die Mitarbeit am Nürnberger Sender des Bayerischen Rundfunks. Es entwickelte sich daraus eine fruchtbare Mitarbeit auf Gesamtfranken ausgerichtet mit Hörspielen und Hörfolgen. Erwähnenswert ist die damals einzigartige Sendefolge 'Unbekannte fränkische Dichter', über die in zwei Bänden literarische Auswahl erfolgte und die verschiedenen unbekannten Schriftstellern in Franken zum Durchbruch in die Öffentlichkeit verhalf. In meinen späteren Büchern finden sich immer wieder Würzburger Themen. Eine Wanderung zu Pfingsten 1934 sollte zu einer völligen Änderung meines äußeren Lebens führen. Ich entdeckte nämlich ein Frankenland, das mir und vielen anderen Franken unbekannt war und teilweise heute noch ist: das Hohenlohische Frankenland, das um 1810 an Württemberg fiel. Dieses für mich neu entdeckte Frankenland liegt westlich von Rothenburg ob der Tauber, bei Crailsheim und der trotz des schwäbischen Vornamens alten fränkischen Reichsstadt Schwäbisch Hall. Auf dieser Wanderung zog mich das romantische Städtchen Kirchberg an der Jagst so an, daß es ab 1936 für mich zur endgültigen Heimat in einer Zeit der Unruhe wurde und auch geblieben ist.
Das nicht weit entfernt gelegene Rothenburg ob der Tauber mit seiner reichen geschichtlichen Vergangenheit war mir immer aus meiner Ansbacher Jugendheimat schon vertraut, spielte von Kirchberg aus ebenso wie Nürnberg, eine besondere Rolle. Meine Arbeit am Rundfunk wurde dadurch ausgeweitet. Meine heimatgeschichtlichen Forschungen fanden im Stadtarchiv Rothenburg eine reich fließende Quelle. Aufsätze, Abhandlungen und Bücher erschienen, zumal ich in Rothenburg einen meine literarische Arbeit fördernden Verlag fand, der die meisten meiner Bücher verlegte. Und dann brach der Zweite Weltkrieg aus! Hatte ich bereits in meiner Jugend in Ansbach den Ersten Weltkrieg durchaus bewußt erlebt, griff der neue Krieg tief in mein Leben und in meine Existenz ein. Auch ich mußte die graue Uniform anziehen und in Schweinfurt als Rekrut einrücken. Nach der Grundausbildung ging's nach dem Westen, später nach Narva und Kurland, in die Tschechei und nach Schlesien. Dort kam der 9. Mai des Jahres 1945 über uns. Eine tragische Episode war die östliche Gefangenschaft und dann der lange Heimweg in der Ungewißheit, was von Heimat und Familie noch übriggeblieben war. In einer innerlich und äußerlich zerstörten Welt galt es, sich wieder zurechtzufinden und einzuordnen. Das Buch 'Liebesfahrt im Taubergrund' erzählt von einem Heimkehrer, der aus der Gefangenschaft kam und sich durch eine Wanderung durch das Taubertal von Wertheim bis Rothenburg wieder innerlich und äußerlich zurechtzufinden versuchte, um neue Wurzeln zu schlagen. Gerade dieses Buch wurde ein großer Erfolg und gewann viele Leser. Weitere Bücher erschienen, ein Bildband des Taubertals und vor allem das Buch 'Erlebnis und Deutung' über die Altäre des Bildschnitzers Tilman Riemenschneider. Erwähnenswert sind noch die Kunstführer durch fränkische Städte. In der Folge bot mir meine neue Heimat Hohenlohe-Franken mit seiner Geschichte und Kunst, seiner reizvollen Landschaft in vielen Variationen und der dortige fränkische Menschenschlag eine reiche Fülle der Betätigung, in schriftstellerischer, heimatgeschichtlicher, volkskundlicher und geschichtlicher Hinsicht. Viele Arbeiten erschienen in der Heimatbeilage des 'Hohenloher Tagblatts', einer angesehenen, weit verbreiteten Zeitung, für die ich auch als Berichterstatter arbeitete. Ein wesentlicher Faktor wurde in der Zeit nach dem Kriege meine Tätigkeit als Dozent an den Deutschen Volkshochschulen. Vor allem waren es Themen aus der Kunstgeschichte mit Einführung durch Farblichtbilder aus der eigenen Produktion, besonders über Künstler aus Franken wie Albrecht Dürer, Veit Stoß, Tilman Riemenschneider, Lucas Cranach und viele andere. Auf Kunstreisen wurden dann die Themen zum vertiefenden Erlebnis unter meiner Führung. Bevor ein erstes Buch von mir erschienen war, schrieb ich 'Meine eigene Kurzgeschichte'. Der Schluß darin ist auch heute noch für mich gültig: „Wenn sich nach meinem Tode erweisen sollte, daß nur ein Gedicht, nur eine Kurzgeschichte wenigen Menschen etwas gegeben hat, ist mein Schaffen nicht umsonst gewesen."
Bücher von G. Harro Schaeff-Scheefen:
Die Chronik des Gottfried Kober, Schweinfurt (1927) Zur Geschichte des Kitzinger Schützenwesens (1932) Das Haus Birnstiel in Würzburg, Hausgeschichte (1932) Familiengeschichte Stock, Würzburg (1933) Würzburgs Straßen und Bauten im Wandel der Zeiten (1933) Die Curia Wirttemberg in Würzburg (1934) Die Unbekannten - Junge fränkische Dichtung, Band 1 (1934) Familiengeschichte Von Berg - 4 Bände (1935) Trommler und Heiliger - Ein Vorspiel zur deutschen Bauernbefreiung (1936) Ruf aus dem Kreis - Gedichte (1936) Kirchberg an der Jagst, Sandelsche Chronik (1936) Familiengeschichte Steger, Nürnberg (1935) Heinrich Toppler - Der große Würfler (1937) Die Unbekannten - Junge fränkische Dichtung, Band 2 (1937) Das Haus zum Bären in Rothenburg (1939) Geliebte in Franken (1940) Das Sommerhaus (1941) Hans Friedrich Rohland (1949) Liebesfahrt im Taubergrund (1949) Rothenburg ob der Tauber, Schicksal einer deutschen Landschaft (1950) Führer durch Schwäbisch Hall (1951) Das bunte Tal - Wanderungen im Taubergrund (1953) Dinkelsbühl - Führer durch die Stadt (1953) Nördlingen - Stadtführer (1958) Wertheim - Stadtführer (1959) Erlebnis und Deutung - Vier Altäre des Tilman Riemenschneider (1959) Rothenburg ob der Tauber (1960) Bad Mergentheim - Stadtführer (1967) Lendsiedel - Kirchenführer (1974) Geliebtes Franken (posthum, 1990)
G. Harro Schaeff-Scheefen hat schon früh damit begonnen, sich um die fränkische Literatur zu kümmern. Er gab zwei Bände einer Anthologie mit dem Titel 'Die Unbekannten' heraus, in denen er Texte veröffentlichte von:
Band I (1934) - Adalbert Jakob - Heinrich Weigl - Hans Zürl - Gottlob Diez
Band II (1937) - Guido Böckler - Hans Dörfler-Sig - Dina Ernstberger - Maria Forster - Friedrich Herrmann - Georg Kanzler - Hans K. Krauß - Hans Probst - Valentin Theodor Zang
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